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ART in Transition 21.4. bis 5.6.2022


Neue Synergien 18.3. bis 15.5.2022

Auszug der Laudatio zur Ausstellung „Neue Synergien“  in der Stadtgalerie Wetzlar vom 18.3. bis 15.5.2022

„Neue Synergien“ ist eine Ausstellung in Kooperation mit dem Bundesverband Bildender Künstler:innen Marburg-Mittelhessen e.V.

 

Abstraktion, Materialität und Farbigkeit sind die Stichworte, die auch bei der Beschreibung der Arbeiten von Angelika Eichenauer zutreffen.

Ihr besonderes Merkmal ist allerdings, dass ihre Exponate die Gattungsgrenze der Malerei hin zur Skulptur überschreiten. Angelika Eichenauer arbeitet in einem aufwendigen und zeitintensiven Verfahren mit Marmormehl und Sumpfkalk. Ein langer Trocknungsprozess muss abgewartet werden, während dessen sichtbare, unterschiedlich tiefe Risse entstehen, die die Weiterbearbeitung der Komposition beeinflussen. Farbpigmente werden aufgeschüttet, Strukturen mit Tusche, Kohle, Schellack oder Eitempera herausgearbeitet. Auf diese Weise erscheinen Farbverläufe, die mitunter an den Beginn der Künstlerin in der Aquarellmalerei erinnern. Vor allem aber entstehen kosmisch anmutende Kunstwerke, die sich der Kategorie des Flachreliefs zuordnen lassen.

 

Bei aller offensichtlichen Abstraktion ist eines der ausgestellten Werke der Künstlerin überraschend naturalistisch, und es bezieht sich auch auf ein Naturphänomen. Auf der sog. Synergiewand befindet sich das mit „The Burren, Irland“ betitelte Werk. Der Burren, auf deutsch „Steiniger Ort“, ist eine Karstlandschaft im Nordwesten Irlands, die wegen ihrer Besonderheit seit 1991 Nationalparkstatus genießt. Diese Karstlandschaft, die sich durch nackte, kahle Kalkplatten auszeichnet, ist seit dem Neolithikum durch menschliche Nutzung geformt worden. Archäologisch nachweisbar war diese Region ursprünglich mit Pinien, Eiben und Birken bewaldet. Doch Rodung und intensive Landwirtschaft sorgten für eine komplette Bodenerosion.

 

Angelika Eichenauers Quadratformat dazu wirkt wie ein verkleinerter Landschaftsausschnitt und unterstreicht meine Eingangssequenz, dass Künstler und Künstlerinnen über eine besondere und sensible Wahrnehmung verfügen.

 

Sabine Harder

Kunsthistorikerin

Kuratoriumsvorsitzende Marburger Haus der Romantik